Design Thinking. Nutzen und so..?

Aus dem CAS Innovation Management der HWZ berichten Sandro Schmid und Samuel Ruf.

«Design Thinking» – Ein weiteres Modewort, das man leider schon wieder in die Kategorie «abgelutscht» zählen muss. Oder etwa doch nicht? Was steckt denn wirklich dahinter? Wie funktioniert dieses «Design Thinking» überhaupt? Und welchen Nutzen könnte diese Methode meinem Unternehmen bringen?

Im Rahmen des CAS Innovation haben wir uns während 2 Tagen intensiv mit der Methode «Design Thinking» (DT) auseinandergesetzt. Gestartet mit der theoretischen Lehre, konnten wir in der zweiten Hälfte stark praxisorientiert arbeiten und die Methode anwenden. Einige Eindrücke aus diesem Workshop haben unsere Kolleginnen Andrea und Raphaela in einem kurzen Video zusammengetragen und publiziert.

Doch nun der Reihe nach. Klären wir erstmal die Frage, um was es überhaupt geht. Bei DT geht es im Kern darum, Menschen aus gewohnten Mustern zu reissen und auf neuen, ungewohnten Pfaden zu innovativen Lösungen zu kommen. Wir Menschen verweilen leider nur zu gerne in der Komfortzone. Dieser Umstand verleitet uns gerne dazu, gewohnte und bekannte Lösungsansätze immer und immer wieder anzuwenden. Was nicht immer schlecht sein muss, kann aber eben auch Innovation behindern. Denn wirklich neue Wege kann man nur finden, wenn man Bekannte eben verlässt. Genau da setzt DT an: Es zwingt die Menschen ins Chaos der Kreativität zu tauchen, wild Ideen zu erschaffen. Aus dem Nichts entstehen Lösungen, an die man nicht zu denken gewagt hätte.

Naja, das alles klingt etwas zu gut, um einfach zu sein. Gehen wir also kurz darauf ein, wie das Ganze funktioniert. Die Theorie dahinter ist einfach und schnell erklärt, Wir bedienen uns am Prozess-Modell der Stanford-University. Dieses Ur-Modell von DT ist in sechs Phasen gegliedert. Zentral ist die deutliche Trennung zwischen Problem-Raum und Lösungs-Raum. Nur zu gerne reden wir von Lösungen, ohne das Problem wirklich erkannt und verstanden zu haben.

Wichtiges Element in beiden Räumen ist, zuerst möglichst viele Inputs zu erarbeiten und so eine möglichst breite und ganzheitliche Sicht auf das Problem und später die Lösung zu erlangen. Ein wichtiger Meilenstein ist die Schliessung des Problem-Raums mit der Formulierung einer gemeinsamen Challenge: Was wollen wir für wen mit welchen Randbedingungen erschaffen? Diese gemeinsam erarbeitete Challenge bildet den Übergang in den Lösungsraum und es folgt die turbulente Phase der Lösungsfindung. Hier brechen die Dämme und endlich ist es erlaubt, möglichst viele Ideen zur Lösung der Challenge an die Wand zu pappen und am besten gleich in Form eines Modells hinzubasteln. Alles ist erlaubt, die Teams entwickeln eine kreative Dynamik, welche in unterschiedlichste Richtungen gehen kann. Dadurch entsteht eine erstaunliche Vielfalt an neuen Denkweisen und Lösungen.

Es gibt natürlich einige Voraussetzungen, damit DT funktionieren kann. Trotz dem chaotischen Ansatz gelten gewisse Rahmenbedingungen, bspw. die Einhaltung des vereinbarten Prozesses und das Zeitmanagement. In dem sich die Moderation um organisatorische Fesseln kümmert, können die Teams bewusst ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Es obliegt der Moderation aber auch, allfällig abdriftende Teams einzufangen und wieder auf Kurs zu bringen. Ein wichtiger Grundstein ist auch die gewählte Lokalität, welche unbedingt so viele Möglichkeiten wie möglich zur spontanen Visualisierung von Gedanken bieten sollte. Und last but not least: Je diverser das Team, desto besser.

Nach den ersten theoretischen Erfahrungen stellten wir uns die Frage, welche Wichtigkeit die Teilnehmenden diesen sechs Phasen des Prozess-Modells vor und nach dem Praxiselement zuschreiben. Verändert sich die Haltung aufgrund der gemachten Erfahrungen?

Umfrage VOR Praxisteil

Umfrage NACH Praxisteil

Die Empfindungen sind beinahe identisch. Durch die praktische Erfahrung gewann jedoch die Phase «Standpunkt» an Wichtigkeit. Wir erklären uns dies durch die erlebte Herausforderung, die zuvor kreativen und wilden Ideen auf den Punkt genau zu formulieren. Das Team erzielt damit ein gemeinsames Verständnis für die Herausforderung, bevor es den Lösungsraum erkundet.

Worin liegt nun also der hauptsächliche Nutzen von DT? Wir haben zur Beantwortung dieser Frage wiederum die Teilnehmer des Workshops befragt:

Mit DT wird also der Kunde fokussiert. Für ihn werden Ideen gefunden und schnelle Ergebnisse mittels «try and error»-Verfahren erzielt. Interpretiert kommen wir zur Erkenntnis, dass der bewusste Wechsel zwischen Problem- und Lösungsraum über die Phase «Standpunkt», das widerkehrende Spiel mit der Divergenz und Konvergenz und das leicht chaotische Element den inspirierenden Umgang mit Fragestellungen im Team fördern. Für den Kunden entstehen so rasch einfache Prototypen. Mit diesen «Boundary Objects» lassen sich Ideen visualisieren und für den Kunden greifbar machen. Der Kunde versteht die Idee wesentlich besser, Feedbacks können am Objekt besprochen und iterativ umgesetzt werden.

DT stellt für uns also eine Methode dar, mit welcher rasch Ideen realisiert werden können, die sich nicht an Bestehendem orientieren, sondern bewusst den Fokus öffnen, um sich auf Basis von ganzheitlichen Beobachtungen dem Kundenproblem anzunehmen.

Photo by Thư Anh on Unsplash

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