Rock JESTER’S QUEST by Design Thinking!

Dies ist ein Gastbeitrag von Fabienne Briggeler.

Prämissen eines innovativen Geschäftsmodells für eine Schweizer Rockband

Als ich im Februar 2016 einen MAS in Business Innovation in Angriff nahm, deutete noch nichts darauf hin, dass ich knapp zweieinhalb Jahre später eine Master Thesis einreichen würde, deren Fokus so ganz und gar nicht auf meinem home turf, dem Banking liegt. Dass ich am Ende der Ausbildung eine Arbeit schreiben würde, die sich um das Musikgeschäft dreht, hat ehrlich gesagt auch mich überrascht. Doch während dem letzten Modul des Lehrgangs bin ich in Kontakt gekommen mit Marco Mazotti, einem Bassisten und Songwriter, der mit seinem Rockprojekt JESTER’S QUEST versucht, neue Wege zu beschreiten. «Wer hört meine Musik? Wie erreiche ich mehr Zuhörer? Wie finanziere ich mich?» Mit diesen Fragen ist Marco auf mich zugekommen. Fragen, die sich oft nicht auf Anhieb beantworten lassen, aber als Absolventin eines CAS in Business Innovation sollte man immerhin die Tools und Hilfsmittel zur Hand haben, um Antworten darauf zu finden. Interessanterweise hatte ich nicht sofort an ein Business Model Canvas zur Visualisierung eines Geschäftsmodells gedacht oder an eines der anderen Instrumente, die wir im Unterricht kennen gelernt hatten. Warum? Weil es mit schwergefallen ist, die Begriffe Unternehmen und Rockband zusammenzudenken. Eine musikalische Geschichte in zwölf Kapiteln, in denen es inhaltlich um das Verfolgen von Träumen und letztlich um das Finden des eigenen Glücks geht, hatte irgendwie so gar nichts mit den Start-ups, Geschäftsideen und Innovationen zu tun, die wir uns angeschaut und die wir diskutiert hatten. Einen hämmernden Bass und eine Value Proposition konnte ich einfach nicht zusammenbringen.

Erst nachdem ich mir eingehender Gedanken zu seinen Fragen gemacht hatte, habe ich verstanden, dass diese nichts anderes betrafen als einzelne Bestandteile eines Geschäftsmodells. Dann aber war meine Neugier geweckt und so kam es, dass ich an einem Abend anfangs September 2017 im Atelier des Musikers sass, vor uns an der Wand eine Poster-Ausgabe von Alexander Osterwalders Business Model Canvas. Mit Hilfe dieses Tools wollte ich verstehen, worum es bei seinem Rockband-Projekt ging und wie die einzelnen Elemente zueinander in Verbindung standen. Warum machte es seiner Meinung nach Sinn, in einem Markt, welcher in den vergangenen Jahren mit markant zurückgehenden Umsätzen zu kämpfen hatte, eine weitere Rockband zu lancieren? Strategie-Diskussion im Kreativraum! Und tatsächlich hat mir das Business Model Canvas dabei geholfen, wichtige Fragen zu stellen und Inputs einzuordnen. Am Ende des Abends war klar, dass ich ein Thema für meine Abschlussarbeit zum CAS Business Innovation gefunden hatte. In der entsprechenden Zertifikatsarbeit habe ich das Business Model Canvas als Analyse-Instrument eingesetzt und das bestehende Geschäftsmodell des Rockband-Projekts JESTER’S QUEST untersucht. Dabei habe ich einige Handlungsfelder identifiziert von der Schärfung der Value Proposition über den organisatorischen Aufbau bis hin zur ungenügenden Ertragsmechanik. In einem zweiten Schritt habe ich unter anderem mögliche Einnahmequellen für die Phase 1 des Projektes aufgezeigt, bewertet und priorisiert. Schlussendlich habe ich eine Anleitung für eine Crowdfunding-Kampagne geliefert, welche im April 2018 lanciert und erfolgreich umgesetzt worden ist.

In der Master Thesis steht nun die Frage im Vordergrund, wie das Geschäftsmodell einer Schweizer Rockband tatsächlich ausgestaltet werden müsste, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Das Thema ist aus mehreren Gründen relevant: Die Musikindustrie gilt als eine der Branchen, die die digitale Transformation zum grossen Teil bereits durchschritten hat. Diverse aufeinanderfolgende Innovationen haben dazu geführt, dass die Umsätze in den vergangenen 15 Jahren dramatisch eingebrochen sind (Kroker, 2016). Für die Schweiz schätzen Experten, dass nur rund ein Dutzend Künstlerinnen und Künstler «gut» von ihrer Musik leben kann (Bilanz, 2017). Ältere Berechnungen gehen sogar davon aus, dass über die Hälfte der Schweizer Musikschaffenden mit ihren Konzerten und dem Verkauf von Tonträgern weniger als 20‘000 CHF pro Jahr verdient (Neue Zürcher Zeitung, 2016). Dennoch nimmt die Anzahl der Personen, die in diesen Markt drängt, weiter zu. Die SUISA weist aktuell über 37‘000 Mitglieder aus (SUISA). Das sind fast doppelt so viele Personen, wie die systemrelevante Schweizer Grossbank Credit Suisse (Schweiz) AG – meine Arbeitgeberin – Mitarbeitende in der Schweiz beschäftigt. Zum Vorgehen: Ein «Cockpit für Schweizer Musikschaffende» nimmt das Freizeit- und Musikkonsumverhalten der Schweizer Bevölkerung sowie die technologischen Entwicklungen und den Musikmarkt Schweiz in den Blick. Anschliessend werden die Einkommensquellen von Schweizer Musikerinnen und Musikern beleuchtet. Diese werden unterteilt in solche, die direkt mit dem Musikschaffen in Verbindung stehen und solche, die man als «ergänzend» oder «zusätzlich» bezeichnen kann. Abgeleitet von den Erkenntnissen der vorangehenden Kapitel werden künftige Erfolgsfaktoren formuliert:

  • Musikschaffende, die Menschen zusammenbringen, stossen auf ein echtes Bedürfnis.
  • Bei der Wahl ihrer Einkommensquellen setzen erfolgreiche Musikerinnen und Musiker auf Diversifizierung.
  • Allerdings kommt mittelfristig kein Musikschaffender an digitalen Lösungen vorbei.
  • Am erfolgreichsten werden diejenigen sein, die ihren Kundinnen und Kunden ein stark verbessertes Kundenerlebnis bieten können, die personalisierte und flexible Inhalte liefern und deren Geschäftsmodelle das veränderte Kundenverhalten der Millenials einkalkulieren.
  • Nicht zuletzt geht es auch darum, Daten erfolgreich als Währung einzusetzen.

Mittels Design Thinking wird im praktischen Teil der Arbeit ein Lösungsansatz entwickelt, der diese Erkenntnisse in einen konkreten Vorschlag für das Rockband-Projekt JESTER’S QUEST überführt.

Photo by Luuk Wouters on Unsplash

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