Lean Business Development

Gastbeitrag von Marc Blindenbacher – Der Text stammt aus Marcs Masterthesis zum MAS Digital Business.

Erst ein Drittel der öffentlichen und privaten Dienstleister setzt Lean-Methoden ein, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern (Ace 2012). Dies, obwohl die digitale Revolution allgegenwärtig ist und sich bestehende Marktordnungen innert kürzester Zeit verändern können. Der Wandel zwingt Unternehmen, sich schnell anzupassen und neu auszurichten (Absatzwirtschaft 2015). Um die rasche Entwicklung innerhalb eines Unternehmens herbeizuführen, sind jedoch die Abläufe innerhalb von bestehenden Organisationen oftmals zu starr und zu träge. Die Methoden und Ansätze von Lean und Agile können dagegen Abhilfe schaffen. Das oberste Gebot von Lean Management ist die Vermeidung von Verschwendung. Agilität erlaubt eine höchst flexible und anpassungsfähige Vorgehensweise.

Unter Business Development verstehen wir die Entwicklung von bestehenden oder neuen Geschäftsfeldern eines Unternehmens. Mit den heutigen dynamischen Märkten und disruptiven Entwicklungen ist eine agile Vorgehensweise auch für Business Development unabdingbar. Die Methoden von Lean und Agile können dafür eingesetzt werden, um mit einem möglichst kleinen Einsatz von Ressourcen und kurzer „Time-to-Market„ Produkte und Services zu entwickeln. Dazu hilft ein konkretes und leicht verständliches Vorgehensmodell.

Das entwickelte Vorgehensmodell kombiniert die Methoden von Lean und Agile für eine zielgerichtete Geschäftsfeldentwicklung. Das Vorgehensmodell baut auf den drei Grundsätzen Transparenz, Überprüfung und Anpassung der agilen Methode von Scrum auf. Es ist nicht als starres Korsett zu betrachten, sondern soll mit den gewonnenen Erfahrungen laufend weiterentwickelt werden. Das Modell beinhaltet vier Vorgehensschritte von der Ideengenerierung bis zur Implementierung im Markt und im Betrieb. Bereits in der Ideenphase erfolgt eine Priorisierung der Idee mittels Priority Poker, um eine gemeinsame Sichtweise zum Wertbeitrag des Themas im Team zu erhalten. Bei den danach folgenden Vorgehensschritten werden die administrativen Aufwände auf ein Minimum reduziert. So sind keine aufwendigen Marktanalysen oder Business-Pläne zu erstellen, sondern es ist vielmehr die aufgestellte Nutzen- und Wachstumshypothese der Idee laufend am Markt zu verifizieren und gegebenenfalls anzupassen. Mit dem frühen Testen von neuen Ideen am Markt wird eine sehr kurze Time-to-Market erreicht. Dies erlaubt, das Kundenbedürfnis bereits in einer sehr frühen Phase zu verifizieren, um so mit minimalem Risiko neue Ideen für Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Mit den Aktivitäten von Scrum wie monatlichen Sprints, Sprint Rückblicke und Retrospektiven wird eine regelmässigen Überprüfung des Vorgehens und damit eine stetige Verbesserung erzielt. Zur stetigen Verbesserung sollen auch Kennzahlenmessungen verhelfen. Sie erlauben eine quantitative Messung und Überprüfung des Vorgehens. Als Beispiel können die Anzahl generierter Kundenkontakte, relative und absolute Umsatzsteigerungen oder die Anzahl neuer Produkte und Services in einer Periode gemessen werden. Dank der Visualisierung der Entwicklungsideen und Tätigkeiten auf dem Kanban-Board wird zudem Transparenz geschaffen und der Stand der Entwicklungsprojekte für alle Mitarbeiter zugänglich gemacht.

vorgehensmodell_marc

Dank diesen Ansätzen schafft das Vorgehensmodell die Voraussetzung zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und somit die Grundlage für den langfristigen Fortbestand eines Unternehmens. Die Herausforderung bei der Implementierung stellt sich jedoch da, wo starre Schnittstellen zu anderen Abteilungen, veraltete Denkweisen oder fixe Prozesse herrschen. Diese gilt es zu meistern mit der Überzeugung, dass Lean Management und agile Methoden für sämtliche Unternehmensbereiche Mehrwerte schaffen können.

Quellen

Ace – Allied-Consultants-Europe-Studie, 2012, Lean Management in Dienstleistungsorganisationen, abgerufen am 20.4.2016, http://www.abegglen.com/fileadmin/download/Lean_Service_Report_2012.pdf

Absatzwirtschaft, 2015, Ranking: Google ist das grösste Medienunternehmen der Welt, abgerufen am 5.3.2016
http://www.absatzwirtschaft.de/ranking-google-ist-das-groesste-medienunternehmen-der-welt-53737/

Marc Blindenbacher

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