Komplexität und anderes

Aus dem CAS Innovation Management der HWZ berichtet Emanuel Bargetze.

An den beiden Tagen mit dem Thema Business Model Innovation haben wir uns vom äusserst bekannten Porter-Five-Forces Modell, Differenzierung oder die Blue Ocean Strategy und den Business Model Canvas über klassische Denkfehler wie den Halo Effekt, Verwechslung von Korrelation und Kausalität, Value Proposition Design bis hin zu Komplexität unterhalten. Im heutigen Blogbeitrag möchte ich mich auch auf ebendieses Thema gerne konzentrieren.

Betrachtet man das Thema Komplexität so kommt beim kurzen Nachdenken auch gleich das nächste Stichwort, Kompliziert in den Sinn. Dazu aber gleich noch mehr. Zuerst möchte ich mal die 4 definierenden Eigenschaften von komplexen adaptiven Systemen nach Friedli aufzeigen.

  1. Vielzahl von Agenten handeln parallel zueinander und unter keiner hierarchischen Kontrolle
  2. Elemente und Relationen ändern sich permanent auf vielfältige Art und Weise
  3. Benötigen permanente Energiezufuhr von aussen, um am Leben zu bleiben
  4. Erkennen von Mustern im Sinne einer geeigneten Anpassung an Umweltveränderungen

Nehmen wir nun diese 4 Eigenschaften und wälzen sie auf ein Unternehmen, so bedeutet dies folgendes:

  1. Hierarchische Kontrolle ist ein Mythos, denn Unternehmensmitglieder sind zu komplex, um direkt und berechenbar um auf ein Ziel ausgerichtet werden zu können
  2. Strukturen, Aktivitäten und Verhalten der Organisatiosmitglieder sind einer ständigen Veränderung unterzogen
  3. Unternehmen bedürfen dauernd der Ressourcenzufuhr von aussen.
  4. Zum einen trägt die Wirksamkeit des Wettbewerbs und zum anderen die Intelligenz der Handelnden und diverse Interaktionen zur Erkennung und koordinierten Anpassung an Rahmenbedingungen bei.

Komplexe Systeme verwehren sich somit der Vereinfachung und bleiben vielschichtig.

Komplexität und kompliziert sind nicht das Gleiche. Kompliziert bedeutet, dass wir als Mensch etwas auf den ersten Blick nicht verstehen, aber mittels Fokus auf einzelne Faktoren oder mittels Versuch und Irrtum recht gut damit zurechtkommen und sogar auf eine vernünftige Lösung stossen. Komplexe Systeme können so aber nicht verstanden werden. Trivialisiert man komplexe Systeme, versucht man daraus ein kompliziertes System zu machen. Weitere Möglichkeiten mit komplexen Systemen umzugehen beschreibt Prof. Dr. Peter Kruse in einem Interview (https://www.youtube.com/watch?v=m3QqDOeSahU). Ein weiteres Muster ist das Ignorieren, aber auch der Versuch, mittels rationalem Durchdringen komplexe Systeme zu verstehen.

Scheitern werden nach Prof. Kurse alle obigen Vorgehensweisen. Übrig bleibt nur noch das intuitive Agieren. Wir alle haben irgendwann Muster gelernt, die wir immer wieder anwenden. Wir verstehen sie nicht rational, aber wenden sie trotzdem an. Wichtig an dieser Vorgehensweise ist nur, sich bewusst zu sein, wann das Muster gelernt wurde und ob es auf die aktuelle Marktsituation passt. Verwendet man ein altes Muster auf eine neue Marktsituation, so wird die Entscheidung tendenziell schlecht ausgehen. Ist man sich aber der Umwelt aus der Zeit des Musters bewusst, so kann man diese auch anwenden.

Bleibt also wach, um wirklich gute intuitive Entscheidungen zu treffen.

Photo by Jason Leung on Unsplash

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