Kannibalisieren Sie Ihr Geschäftsmodell!

Aus dem CAS Innovation Management der HWZ berichten Ramon Grau und Marco Zumsteg.

Von der Bereitschaft zur Kannibalisierung des eigenen Geschäftsmodells und dem Mut zur Innovation.

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Aufgrund der aktuellen Digitalisierungsdynamik in verschiedensten Märkten, wird es für Unternehmen heutzutage immer wichtiger, flexibel zu bleiben und die eigenen Denkmodelle zu hinterfragen. Viele Branchen sind aufgrund der Digitalisierung grossen Änderungen unterworfen. Ein Unternehmen tut jetzt gut daran, den Status Quo zu hinterfragen. Ist das aktuelle Geschäftsmodell zukunftsträchtig? Sind die Services und Produkte, so wie diese heute erbracht werden, morgen am Markt noch nachgefragt? Ist man weiterhin fähig, den Umsatz stetig zu steigern? Ist man auch für die Mitarbeiter von morgen noch ein attraktiver Arbeitgeber?

Diese Fragen führen möglicherweise zur Erkenntnis, dass frühere Investitionen in Innovationen zunehmend an Wert verlieren. Es muss folglich in neue, noch unsichere Geschäftsfelder investiert werden. Dabei geht es um das frühzeitige Erkennen von potentiellen Veränderungen am Markt und um das daraus folgende Ableiten von Ideen und Innovationen. Für die Zukunft des Unternehmens wird es letztlich entscheidend sein, ob man bereit ist, das eigene Geschäftsmodell zu kannibalisieren.

Aktuelle Vermögenswerte, wie Reputation, Marke, etablierte Kundenbasis, etc., bilden bei möglichen komplementären Geschäftsmodellen wie das Anbieten einer weiteren Dienstleistung im Sinne eines Services die Grundlage und dürfen deshalb keinesfalls kannibalisiert werden. Hingegen stellt die Kannibalisierungsbereitschaft bei substituierenden Geschäftsmodellen ein wesentlicher Teil der Innovationskultur dar. Dies kann der Fall sein, wenn das Unternehmen künftig andere Marktsegmente bedienen möchte. Oder auch, wenn das Unternehmen aufgrund von Veränderungen im Markt zu einem neuen Geschäftsmodell gezwungen wird. Dies ist beispielsweise überall da der Fall, wo die zunehmende Digitalisierung von Inhalten den Markt verändert und die Verknüpfung von Produkten mit digitalen Technologien zum Trend wird. Als Beispiel lässt sich hier der Buchladen um die Ecke aufführen, welcher durch den Trend des Amazon Kindle massiv unter Druck gerät. Solche Unternehmen sind also zunehmend gezwungen, das gesamte Geschäftsmodell zu hinterfragen und gegebenenfalls sich selbst mit neuen Angeboten zu kannibalisieren.

„Wir dürfen uns nicht selbst kannibalisieren.“ Dieser Management Ausruf ist der Tod für Innovation und letztlich möglicherweise für das Unternehmen. Denn wenn man es nicht selbst tut, dann tut es ein anderer.

Letztlich braucht es mehr Mut zur Innovation. Eine sehr renommierte deutsche Innovationsschmiede  wirbt mit folgendem Slogan: Innovation ist eine Kultur – keine Geschäftseinheit. Viele Unternehmen machen jedoch genau diesen Fehler und gründen Innovationlabs, Think Tanks und kaufen Start-Ups. Die unstrukturierten, wilden und wertvollen Gedanken der jungen Unternehmer werden dann, meistens im Zuge der „Integration“ in das Mutterhaus, im Keim erstickt. Innovation auf Knopfdruck müsste man meinen und doch will die Innovation oft nicht einfach von selbst auf dem Parkett der eigenen Firma erscheinen. Beindruckend sind auch die Zahlen rund um das Thema Innovation – nur 0.5% der Innovationen haben Erfolg. Um einen Gedankengang in eine Idee weiterzuentwickeln braucht es viel Zeit und Mut. In der heutigen, schnellebigen Zeit hat jedoch kaum eine Führungsperson oder CIO (Chief Innovation Officer) Zeit um an neuen, bahnbrechenden Ideen zu tüfteln. Auch sind starre Strukturen innerhalb der Organisation eine Blockade für Ideen jeder Art.

„Wer soll die Innovation“ bezahlen? So oder ähnlich klingt es von der Abteilung Finanzen, wenn dafür Budget beantragt wird. In wenigen Fällen wird dann „Spielgeld“ (nicht ROI relevant) zur Verfügung gestellt, welches die Innovation finanzieren soll. Doch wehe, wenn die Innovation nicht über Nacht geschieht. Beim nächsten Financial Meeting sind die Kredits weg und die Innovation wird nicht weiter verfolgt. Daher bleibt die Frage:

„Wo bleibt der Mut etwas völlig neues zu wagen?“

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