Träumst du noch oder baust du schon erfolgreich Städte?

Aus dem CAS Innovation Management der HWZ berichten Roger Roth und Andreas Bircher.

Der Vormittag beinhaltete eine Einführung in die agilen Projektmanagement Methoden. Zusätzlich durften wir Scrum hautnah erleben und eine LEGO-Stadt bauen. Am Nachmittag erfuhren wir, wie Lean Innovation und Lean PPM bei der Digitec Galaxus AG eingesetzt werden.

Agile Development vs. Wasserfall

Scrum ist ein Rahmenwerk, innerhalb dessen Menschen komplexe adaptive Aufgabenstellungen angehen können, und durch das sie in die Lage versetzt werden, produktiv und kreativ Produkte mit dem höchstmöglichen Wert auszuliefern. (Quelle: www.scrum.org)

Der Begriff Scrum (angeordnetes Gedränge) kommt ursprünglich vom Rugbysport. Nach kleineren Regelverstössen wird das Spiel in dieser Formation neu gestartet. Scrum steht dabei als Analogie für aussergewöhnlich erfolgreiche Produktentwicklungsteams. Diese Teams arbeiten als kleine, selbstorganisierte Einheiten und bekommen von aussen nur eine Richtung vorgegeben, bestimmen aber selbst die Taktik, wie sie ihr gemeinsames Ziel erreichen.

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Bei Scrum werden Zeit und Kosten eingefroren, während der Scope zu Beginn nicht klar festgelegt ist. Das Ziel ist ungefähr bekannt und wird erst im Zeitverlauf resp. in den einzelnen Sprints diskutiert immer weiter verschäft.

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Bei vielen herkömmlich abgewickelten Projekten wird der Scope vom Auftraggeber von Beginn weg vorgegeben, auch wenn vieles unklar ist und hohe Risiken bestehen. Im Projektverlauf werden dann oft Budget und/oder Zeit überschritten. Herkömmliche Projekte nach Wasserfall-Methodik eignen sich daher nur dann gut, wenn zu Beginn der Scope wirklich klar ist und im Projektverlauf kaum Änderungen zu erwarten sind. Deshalb offerieren viele Software-Firmen eine Anzahl Sprints, anstelle eines Scopes. Der Scope ist dann eher frei und offen.

Scrum

Der theoretische Teil kann im offiziellen Scrum Guide von Ken Schwaber und Jeff Sutherland sowie in der Scrum Checklist von Boris Gloger nachgelesen werden.

Ereignisse im Scrum

  1. Estimation Meeting
  2. Sprint Planning Meeting #1
  3. Sprint Planning Meeting #2
  4. Daily Srum
  5. Sprint Review oder Demo
  6. Sprint Retrospektive

ScrumFlow

ScrumMeetings

Bei Scrum-Vorhaben wird zwischen verschiedenen Rollen unterschieden, welche alle ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten haben.

  1. Entwicklungsteam
  2. Scrum Master (SM)
  3. Product Owner (PO)
  4. Kunde
  5. Nutzer
  6. Manager

ScrumRollen

Weitere Informationen:

Scrum Simulation mit LEGO

Wir hatten die Aufgabe in maximal vier Sprints eine Lego-Stadt zu bauen. Dies geschah in vier Teams, welche gemeinsam den Auftraggeber (M. Kägi) zu befriedigen hatten. Wir bekamen jeweils für jeden Sprint 2min für das Planen, 6min für das Bauen und 3min für die Demo. Sprintwand

Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen:

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Wir haben festgestellt, dass es wichtig ist, den Auftraggeber vor (Planungsphase) und nach (Demo) jedem Sprint zu involvieren, um keine unnötigen Runden drehen zu müssen.

Im Burn-Down-Chart wird ersichtlich, welcher Anteil pro Sprint resp. insgesamt abgearbeitet werden konnte.

Burndownchart

 

Gastreferat: Lean Innovation und Lean PPM bei Digitec Galaxus AG

Gastdozent Rainer Grau, Head of Business Development berichtete über das Vorgehen bei Digitec Galaxus AG.

Er machte uns klar, dass es wichtig ist das ganze Unternehmen auf die Reise mitzunehmen. Denn es nützt nichts, wenn nur die IT nach Scrum arbeitet, der Rest der Organisation aber weiterhin nach starren Strukturen arbeitet.

Prinzipien hinter lean und agile:

  • Verschwendung vermeiden
  • Prozess muss sowohl bottom-up als auch top-down initiiert resp. unterstützt werden
  • Warteschlangentheorie: Verzögerungen kosten viel Geld, kurze Schlangen ermöglichen rasches Vorwärtskommen
  • Kadenz und Synchronisierung
  • Dezentralisierte Kontrolle: Entscheide sollen dort getroffen werden, wo die maximale Information ist -> Entscheide nach unten delegieren (notwendig sind dafür ganz klare Rahmenbedingungen)
  • Management 3.0 und Leadership: Auf Werte aufgebaute Führungskultur
  • Beyond budgeting principles: Weg von jährlicher Budgetierung hin zu einem „Rolling Forecast“ für die nächsten 3 Monate

Bei Digitec Galaxus AG hängt die Strategie mit den wichtigsten Meilensteinen öffentlich aus, so dass sich alle Mitarbeitenden ein Bild darüber machen können. In regelmässigen Abständen wird die strategische Roadmap zusammen mit der Geschäftsleitung auf Fortschritt und neue Initiativen überprüft. Die einzelnen Initiativen erhalten einen Wert, welche den Businessnutzen messbar machen.

Zusätzlich verfügt jede Abteilung über die Möglichkeit, eigene Vorhaben zu pushen (duales System).

Buchvorschläge von Rainer:

  1. The Principles of Product Development Flow; Donald G. Reinersten; Celeritas Publishing; Amazon
  2. Beyond Budgeting; Jeremy Hope, Robin Fraser, Charles T. Horngren; Harvard Business Review Press; Amazon

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